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Fussball
Steiler Aufstieg nach langer Durststrecke

Zusammenhalt wird groß geschrieben bei Magdeburgs Topstürmer Christian Beck (l.) und seinem Team, das in dieser Saison in die 2. Liga aufsteigen will.
Zusammenhalt wird groß geschrieben bei Magdeburgs Topstürmer Christian Beck (l.) und seinem Team, das in dieser Saison in die 2. Liga aufsteigen will. FOTO: Christian Schroedter / imago/Christian Schroedter
Magdeburg. Beim Testspielgegner 1. FC Magdeburg kann der FC Energie auf dem Weg raus aus der Regionalliga Anschauungsunterricht nehmen. Von Manuel Holscher

Für den 1. FC Magdeburg, der an diesem Sonntag (15 Uhr/Stadion der Freundschaft) Testspielgegner von Energie Cottbus ist, läuft es in dieser Saison richtig gut. Das Team von Trainer Jens Härtel überwinterte in der 3. Liga als Tabellenführer und hat beste Aussichten, in der kommenden Spielzeit in der 2. Bundesliga aufzulaufen. Im Grunde die gleiche Konstellation wie beim FC Energie, der freilich eine Klasse tiefer unterwegs ist. Für die Cottbuser könnte der FCM dennoch als gutes Anschauungsobjekt taugen, wie ein Blick in die jüngere Gesichte des Clubs zeigt.

Die Euphorie in Magdeburg ist seit dem Drittliga-Aufstieg 2015 beachtlich. In der Relegation setzte sich der FCM gegen Kickers Offenbach durch und spielte damit erstmals seit der Wende im Profifußball. Für viele Fans ging ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Der Zuspruch spiegelt sich auch in den Zuschauerzahlen wider. In der laufenden Saison kamen im Schnitt mehr als 17 000 Fans in die ­MDCC-Arena. Zudem wurden mehr als 11 000 Dauerkarten verkauft. Damit ist der Club in der 3. Liga jeweils weit vorne und schon zweitligareif.

Sportlich scheint die dritthöchste Spielklasse dem 1. FC Magdeburg zu liegen. Im ersten Jahr wurde das Team auf Anhieb und überraschend Vierter. Den gleichen Rang belegte der FCM in der vergangenen Saison, wobei in diesem Fall Enttäuschung mitschwang, da der Verein in der Rückrunde lange auf Aufstiegskurs war.

Diesmal soll der große Wurf gelingen – und die Chancen stehen gut. Nach 20 Spielen führt Magdeburg die Tabelle mit 46 Punkten an, hat bereits zehn Zähler Vorsprung auf den Dritten SV Wehen Wiesbaden und zwölf Punkte mehr als der Vierte Hansa Rostock.

Die Erfolge der vergangenen Jahre sind eng mit den Namen Mario Kallnik, Jens Härtel und Maik Franz verbunden. Geschäftsführer Kallnik hat die bittersten Zeiten des stolzen Europapokalsiegers von 1974 miterlebt. Als einziger Spieler blieb er beim FCM, als 2002 ein Insolvenzantrag gestellt wurde, der mit dem Zwangsabstieg aus der Regionalliga einherging. Mitte 2012 übernahm er die sportliche Leitung, nachdem der FCM in der Regionalliga Letzter wurde, aber aufgrund einer Reform nicht abstieg. Dieser erneute sportliche Tiefpunkt war aber auch gleichbedeutend mit einem Neuaufbau und in der Folge steilem Aufstieg. Der FCM etablierte sich in der Regionalliga und stieg 2015 schließlich auf. Kallnik setzte alles daran, die Kosten im Blick zu behalten und ordnete alles dem Wohl des Vereins unter.

Die Zeiten der wirtschaftlichen Ungewissheit mit Schulden sind seitdem vorbei. Mittlerweile verfügt der FCM über 1,2 Millionen Euro Eigenkapital. „Es ist gut zu wissen, dass man auch in der 3. Liga wirtschaftlich und sportlich zugleich arbeiten kann“, betont Kallnik und spielt damit auf einige Verantwortliche an, die die finanzielle Schieflage ihrer Vereine gerne mit den schwierigen Bedingungen in der 3. Liga begründen.

Ein wichtiger Faktor des Erfolgs ist natürlich auch Trainer Jens Härtel, der 2014 nach Magdeburg kam. Nach Startschwierigkeiten etablierte er den Club zunächst in der Spitzengruppe der Regionalliga und schaffte dann den ersten großen Wurf. Der gebürtige Rochlitzer (Sachsen) ist ein akribischer Arbeiter, dem Trainingsfleiß und Disziplin sehr wichtig sind. Außerdem setzt der 48-Jährige gerne auf eine eingespielte Stammelf. Beachtlich ist, dass mit Nils Butzen, Felix Schiller, Christopher Handke, Nico Hammann, Marius Sowislo und Torjäger Christian Beck gleich sechs Spieler immer noch tragende Säulen sind, die bereits in der Aufstiegs-Relegation gegen Offenbach in der Start­elf standen. „Dieser Zusammenhalt macht uns aus. Das gibt es im Fußball nicht so oft, dass man so lange zusammenspielt und gemeinsam solche Erfolge feiert“, sagt Kapitän Sowislo. In dieser Saison hat sich der FCM qualitativ sowie in der Breite verstärkt.

Ein wichtiger Baustein des Magdeburger Erfolgs ist Maik Franz. Der Ex-Bundesliga-Profi (VfL Wolfsburg, Karlsruher SC, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC) wurde beim FCM groß und ist seit Anfang 2016 Assistent der Geschäftsführung. Franz ist durch seine Kontakte, seinen Blick für Talente sowie seine Popularität enorm wichtig für den Club. „Wir können in dieser Saison etwas Großes erreichen, müssen aber fokussiert bleiben. Wir haben schließlich noch viele Partien vor uns“, sagt Franz und hält den Ball in einem euphorischen Umfeld flach. In der Wintervorbereitung läuft es derweil noch nicht so richtig rund. Bei der Generalprobe in Cottbus soll sich zeigen, wie weit der FCM vor dem Drittliga-Start am 22. Januar in Erfurt ist.

Zwei Magdeburger Erfolgsfaktoren: Sportdirektor Mario Kallnik (r.) und Ex-Bundesligaprofi Maik Franz, Assistent der Geschäftsführung.
Zwei Magdeburger Erfolgsfaktoren: Sportdirektor Mario Kallnik (r.) und Ex-Bundesligaprofi Maik Franz, Assistent der Geschäftsführung. FOTO: Michael Täger / imago/foto2press
Jens Härtel ist seit 2014 Trainer beim FCM.
Disziplin ist ihm wichtig.
Jens Härtel ist seit 2014 Trainer beim FCM. Disziplin ist ihm wichtig. FOTO: Hendrik Schmidt / picture alliance / Hendrik Schmi