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Fussball
Regionalliga-Reform vorerst gescheitert

Energie Cottbus (hier Maximilian Zimmer) stürmt nach dem 2:0 in Altglienicke weiter der Meisterschaft entgegen. Dann kommt aber noch die Relegation.
Energie Cottbus (hier Maximilian Zimmer) stürmt nach dem 2:0 in Altglienicke weiter der Meisterschaft entgegen. Dann kommt aber noch die Relegation. FOTO: Michael Hundt / Matthias Koch / Matthias Koch
Cottbus. Der DFB-Bundestag sollte eigentlich ein neues Modell für den Aufstieg beschließen. Doch daraus wird wohl nichts. Von Frank Noack

Waldhof Mannheim. Kickers Offenbach. Bayern München II. Das sind nur die drei namhaftesten Vereine, die in den vergangenen Jahren in den umstrittenen Aufstiegsspielen der Fußball-Regionalligen gescheitert sind. Eigentlich sollte diese Regelung am Freitag beim Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes endlich geändert werden – auch auf Betreiben von Energie Cottbus, dessen Trainer Claus-Dieter Wollitz die Diskussion mitangestoßen hatte. Doch daraus wird nun erst einmal nichts! Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung und Informationen der Deutschen Presse-Agentur droht die Reform vorerst zu scheitern, weil sich die vielen Landesverbände auf kein neues Modell einigen können. Bei einem Gipfeltreffen von DFB-Präsident Reinhard Grindel mit den regionalen Vertretern wurde am Mittwochabend in Frankfurt am Main kein Kompromiss mehr gefunden.

Dem „Bild“-Bericht zufolge soll das Thema nun sogar komplett von der Tagesordnung des Bundestages gestrichen werden. Stattdessen soll eine Experten-Kommission die Zeit bekommen, um eine Regionalliga-Reform jenseits aller sportpolitischen Streitigkeiten zu erarbeiten.

Auf der einen Seite ist das ganz im Sinn der DFB-Spitze, die hitzige Diskussionen und eine Kampfabstimmung am Freitag im Congress Center der Frankfurter Messe unbedingt vermeiden möchte. Auf der anderen Seite passt diese Entwicklung auch gut zur desaströsen Verfassung, in der sich der Verband in diesen Monaten präsentiert.

Energie-Präsident Michael Wahlich wollte diese mögliche Wendung am Donnerstag nicht kommentieren. Er beharrte allerdings auf dem grundsätzlichen Standpunkt. „Meister müssen aufsteigen. Klar ist, dass es dafür unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten gibt.“ Wahlich weiter: „Es muss anders laufen und gerechter werden. Es gibt nicht ein bisschen Gerechtigkeit. Das ist wie mit der Schwangerschaft: Ein bisschen schwanger gibt es auch nicht.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte: „Ganz klar: Das neue System muss gerecht sein, deshalb soll der Meister rauf und in die 3. Liga aufsteigen. Die geographische Lage der Vereine darf die Aufstiegschancen nicht beeinflussen. Die ostdeutschen Teams dürfen nicht benachteiligt werden.“

Das Problem der Regionalliga-Reform ist: Es stehen gleich sieben verschiedene Modelle zur Diskussion. Aber bei jedem müsste irgendein Landesverband Zugeständnisse machen, zu denen er nicht bereit ist. Vor allem die Vertreter der neuen Bundesländer beharren wie bisher auf einer eigenen Regionalliga, der Staffel Nordost.

Am einfachsten wäre es, in Zukunft vier statt fünf Regionalligen zu betreiben und jeden Meister am Ende einer Saison direkt aufsteigen zu lassen. Doch dann wäre die Frage: Wo verlaufen die Grenzen? Je eine Staffel im Norden, Süden, Osten und Westen würde die besonders mitgliederstarken Regionen im Westen und Südwesten benachteiligen. Einen Teil der ostdeutschen Vereine in eine Nord-Staffel zu integrieren und den anderen Teil gegen bayerische Vereine antreten zu lassen, würden wiederum die ­Nordost-Vertreter nicht mitmachen.

DFB-Chef Reinhard Grindel ist deshalb für ein Konsens-Modell: Danach soll es bei fünf Regionalligen bleiben, aber künftig vier statt bisher drei Aufsteiger geben. Der Meister des Westens und des Südwestens soll jedes Jahr direkt aufsteigen, der dritte feste Aufstiegsplatz nach einem Rotationsmodell an den Erstplatzierten aus dem Norden, Nordosten oder Bayern gehen. Der vierte Aufsteiger müsste in zwei Playoff-Spielen zwischen den Meistern der übrig gebliebenen Ligen ­ermittelt werden.

Aber auch für dieses komplizierte Verfahren gibt es keine Mehrheit. Für Unverständnis sorgt vor allem der Standpunkt des DFB, die Staffeln West und Südwest seien leistungsfähiger. Energie-Präsident Wahlich: „Dass irgendwelche Bevorzugungen deshalb stattfinden sollen, weil in einer Region die Anzahl der Kreisliga-Dorfmannschaften höher ist als bei uns – da frage ich mich echt, was das mit Leistung zu tun hat. Im Fußball geht es um Siege und Punkte. Und darum, Erster zu sein.“

Und so bleibt es vorerst bei dem Modell, das alle seit Jahren kritisieren: Fünf Regionalliga-Staffel, die nach jeder Saison nur drei Aufsteiger in drei Playoff-Duellen ermitteln.

Auch der DFB-Bundestag kann sich so wieder jenem Thema widmen, das der eigentliche Grund für seine Einberufung war: die Abstimmung über die DFB-Akademie.  Die DFB-Spitze rechnet mit einer Zustimmung für das bis zu 150 Millionen Euro teure Prestigeprojekt.