| 18:29 Uhr

Kommentar
Noack und Lehmann rufen zur Ehrlichkeit auf

Cottbus. In das Tauziehen um eine Verlegung des Landespokals-Endspiels zwischen Babelsberg und Energie Cottbus hat sich jetzt DFB-Chef Grindel höchstpersönlich eingeschaltet. Er ruft zur Besonnenheit auf. Das macht die umstrittene Entscheidung aber nicht besser - und schon gar nicht glaubwürdiger. Von Frank Noack und Jan Lehmann
Das Pokalfinale ist für den 21. Mai angesetzt.
Das Pokalfinale ist für den 21. Mai angesetzt. FOTO: Michael Hundt / Matthias Koch / Matthias Koch

Die seltsame Pressemitteilung traf am Donnerstagnachmittag um 16.58 Uhr in der Sportredaktion der Lausitzer RUNDSCHAU ein. Sie könnte jedoch auch aus einer längst vergangenen Zeit stammen, als Sportfunktionäre sich noch wie Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder mit erhobenem Zeigefinger aufführen konnten und Widerworte schlichtweg verboten waren. Nach den Diskussionen um die Terminierung des Pokalfinales zwischen dem SV Babelsberg und Energie Cottbus rufen in der Pressemitteilung Reinhard Grindel als Chef des Deutschen Fußball-Bundes und Landesverbandschef Siegfried Kirschen - wir nennen beide der Einfachheit halber einfach mal „die Eltern“ – die Verantwortlichen beider Vereine zur Besonnenheit auf.

Und die Eltern wiederholen in der Pressemitteilung nochmal, was alle schon wissen, beziehungsweise glauben sollen. Eine von Energie Cottbus wegen der Terminnähe zu den Aufstiegsspielen gewünschte Verlegung des Pokalfinales sei nicht möglich, weil an den anderen Tagen die notwendigen Sicherheitsvoraussetzungen nicht erfüllt seien. Die Polizei hatte dazu schon erklärt, dass man den Straßenverkehr rund um das Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion nicht zu sehr belasten wolle.

Im Ernst? Deswegen wird das Pokalfinale nicht verlegt? Tatsächlich. Und wörtlich erklären die Eltern nun: „Deshalb ist es an der Zeit, diese Situation nunmehr endlich zu akzeptieren und sich auf die Vorbereitung des Spiels zu konzentrieren.“ Wie es sich für Eltern gehört, rufen sie dazu natürlich gemeinsam auf.

Liebe Eltern, die RUNDSCHAU-Sportredakteure Frank Noack und Jan Lehmann rufen Euch deshalb - natürlich gemeinsam - einfach mal zu Folgendem auf: Seid doch lieber ehrlich zu Euren Kindern. Sagt ihnen, wie die Dinge wirklich liegen. Dass der FLB nicht von dem Termin abrücken will, weil er sich Vorteile durch die Fernsehpräsenz in der ARD erhofft und weil man auch nicht aus der geschlossenen Reihe der Verbände am „Finaltag der Amateure“ ausscheren will. Und dass der SV Babelsberg den Termin ebenfalls bevorzugt, weil er natürlich versucht, gegen den souveränen Tabellenführer jeglichen Wettbewerbsvorteil auszunutzen. In einem Finale so kurz vor den Aufstiegsspielen kann man schließlich durchaus darauf hoffen, dass Energie mit angezogener Handbremse agiert, damit das große Ziel 3. Liga nicht in Gefahr gerät.

Liebe Eltern, sagt doch einfach Euren Kindern, dass die von Energie vorgetragenen Gründe Eurer Meinung nach schlichtweg nicht wichtig genug waren. Das wäre zwar hart, aber zumindest ehrlich.

Es ist an der Zeit, solche Dinge nicht immer in Gutsherren-Manier zu entscheiden und sie dann mit seltsamen Pressemitteilungen zu kommunizieren. Stattdessen sollten sich die Verbände und ihre Funktionäre auf die bestmögliche Lösung im Sinne des Fußballs konzentrieren.

Ach ja: Uns ist sehr wohl bewusst, dass die Sicherheit eines Fußballspiels ein hohes Gut ist. Sie als Grund für Verbandsinteressen vorzuschieben, ist jedoch alles andere als sportlich.

Natürlich muss man ein Pokalspiel nicht verlegen. Aber man kann. Wenn man will. Mit Sicherheit!

Gezeichnet: Noack und Lehmann (zwei Kinder des Fußballs), 18:29 Uhr