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| 11:03 Uhr

Fußball
Nicht genügend Druck auf dem Kessel

Energie-Neuzugang Alexander Siebeck (l.) hatte die beiden besten Cottbuser Chancen beim 1:1-Uentschieden gegen den VfB Auerbach.
Energie-Neuzugang Alexander Siebeck (l.) hatte die beiden besten Cottbuser Chancen beim 1:1-Uentschieden gegen den VfB Auerbach. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus bleibt zwei Mal in Folge sieglos. Mit Blick auf die Tabelle ist das kein Problem – trotzdem gibt es Gründe für eine kritische Analyse.

Mit einer solchen Serie muss auch ein souveräner Tabellenführer erst einmal klarkommen. Energie Cottbus bleibt mit dem 1:1 (0:0) gegen den VfB Auerbach zum zweiten Mal in Folge ohne Sieg – das gab es noch nie in der laufenden Saison der Regionalliga Nordost. Eine Woche nach dem torlosen Remis bei Budissa Bautzen sahen die 4057 Zuschauer am Samstagnachmittag im Stadion der Freundschaft zwar eine spielerisch verbesserte Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz. Das Fazit des FCE-Trainers fiel mit Blick auf die bescheidene Torausbeute aber eindeutig aus. „Fakt ist, dass wir uns weniger Torchancen erarbeiten als sonst. Es fehlen im Moment die letzte Überzeugung und das letzte Selbstvertrauen. Deshalb kriegen wir nicht genügend Druck auf den Kessel, auch wenn alle bemüht sind“, betont Wollitz.

Zumal die beiden Remis ja nicht gegen Teams aus der oberen Hälfte der Tabelle zustande kamen, sondern gegen Abstiegskandidaten, die nicht annähernd unter solchen Bedingungen arbeiten können wie der Tabellenführer. Zur Erinnerung: Budissa Bautzen feierte das überraschende Unentschieden im Stile einer Kreisliga-Mannschaft zünftig mit einem Kasten Bier in der ­Kabine. Und der VfB Auerbach spielte am Samstag zum ersten Mal in diesem Jahr auf Rasen. Die komplette Winter-Vorbereitung inklusive der Testspiele mussten die Vogtländer auf Kunstrasen absolvieren.

Das sagt natürlich einiges aus über die Leistung von Energie Cottbus in diesen beiden Partien. Wobei es am Samstag womöglich anders gelaufen wäre, wenn der starke Neuzugang Alexander Siebeck bei seinem Debüt in der 19. Minute eine seiner beiden Chancen zur verdienten Führung genutzt hätte. So ­dauerte es bis zur 58. Minute, ehe Malte Karbstein  zum 1:0 einköpfte. Im goldenen Herbst hätte dem FCE ein solcher Vorsprung vermutlich ausgereicht, um den Arbeitssieg ­unter Dach und Fach zu bringen. Diesmal aber war das Team einen Moment unaufmerksam und ließ den Auerbacher Torjäger Marc-Philipp ­Zimmermann (83.) völlig frei zum Kopfball kommen. „Für uns ist das ein gefühlter Sieg. Wir sind mit wenigen Chancen zum Unentschieden gekommen“, freut sich Gäste-Coach Michael Hiemisch.

Aber woran liegt es, dass Energie derzeit nicht genügend Druck auf den Kessel bekommt? Die RUNDSCHAU nennt einige Gründe. Erstens: Die Stürmer suchen ihre Form. Torjäger Streli Mamba fehlt es momentan an der gewohnten Spritzigkeit. Gegen einen tief stehenden Gegner wie Auerbach konnte er seine Schnelligkeit nur selten zeigen. Neuzugang Kevin Scheidhauer fehlen nach anderthalbjähriger Verletzungspause sowohl Rhythmus als auch Selbstvertrauen. Zweitens: Im Mittelfeld fehlt die Kreativität des verletzten Maximilian Zimmer. Speziell bei eigenem Ballbesitz – und davon hat Energie sehr viel – ist Zimmer immer für eine Idee gut. Davon profitieren dann auch seine Nebenleute wie Fabio Viteritti und Kevin Weidlich, die derzeit längst nicht so auftrumpfen wie bis zur Winterpause. Drittens: Der verschärfte Konkurrenzkampf dank der Neuzugänge in der Winterpause scheint einige Leistungsträger mehr zu lähmen als zu beflügeln. Die vier Neuen wurden zwar menschlich schnell integriert, auf dem Rasen sucht das Team aber sichtbar nach Balance, zumal mit dem verletzten Kapitän Marc Stein und dem gesperrten José-Junior Matuwila zwei wichtige Köpfe fehlen.

Das alles sei „Meckern auf hohem Niveau“, findet Tim Kruse, der das Team in Abwesenheit von Stein als Kapitän auf den Rasen führte. „Wir waren gegen Auerbach klar über­legen, aber wir nutzen unsere Chancen nicht. Es ist erst das vierte Unentschieden in der Saison, das wirft uns nicht um.“

17 Siege und nur vier Unentschieden sind in der Tat eine beeindruckende Bilanz. Zu den Eigen­heiten dieser Regionalliga-Saison zählt natürlich auch, dass Energie trotz des unbefriedigenden Ergebnisses gegen Auerbach in der Tabelle seinen Vorsprung auf den BFC Dynamo auf 18 Punkte ausbauen konnte. Das lag allerdings auch daran, dass bei den Hauptstädtern der Kessel ­diesmal komplett ohne Druck war – das Spiel gegen Altglienicke wurde nämlich abgesagt.