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| 19:46 Uhr

Fußball
Energie bedankt sich für Provokation

Energie jubelt über den nächsten Sieg. Cottbus führt weiter souverän die Tabelle der Regionalliga Nordost an.
Energie jubelt über den nächsten Sieg. Cottbus führt weiter souverän die Tabelle der Regionalliga Nordost an. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Cottbus gewinnt gegen den Berliner AK mit 2:1 (0:1). Für die Wende sorgt ausgerechnet das umstrittene Tor der Gäste. Trainer Wollitz lüftet anschließend noch ein Personal-Geheimnis. Von Frank Noack

Stell dir vor, es ist Mai und du steckst mitten im entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die 3. Liga! Genau so beschreibt Trainer Claus-Dieter Wollitz die Stimmung in der Kabine von Energie Cottbus in der Halbzeitpause des Heimspiels gegen den Berliner AK. Die Gastgeber lagen zu diesem Zeitpunkt in Rückstand und Wollitz hielt eine bemerkenswerte Motivationsansprache. „Ich habe der Mannschaft in der Halbzeit gesagt: Was ist, wenn jetzt Relegation wäre? Wir brauchen noch zwei Tore, dann sind wir in der 3. Liga“, berichtet der FCE-Trainer. „Wenn du in einer solchen Situation die Qualität hast, dann drehst du das Spiel. Und das haben wir gemacht.“

Probelauf für die Aufstiegsspiele also bestanden? Teilweise. Mental zeigten sowohl die Mannschaft als auch das Publikum jene ­Willensqualitäten, auf die es im Mai ankommen wird. In spielerischer Hinsicht darf durchaus noch eine Steigerung hinzukommen. „Es läuft derzeit nicht alles rund, aber mit Willensstärke und Körper­sprache haben wir das Spiel verdient gewonnen, weil wir nach hinten nichts zugelassen haben“, bilanziert Wollitz.

Vor 5091 Zuschauern im Stadion der Freundschaft gingen die zunächst mit großer Laufstärke auftretenden Gäste durch einen tollen Freistoß von Tunay Deniz in Führung (19. Minute). Die Gastgeber fanden erst spät mit einem Doppelschlag auf die Siegerstraße. Zunächst wuchtete Torjäger Streli Mamba per Fallrückzieher den Ball zum 1:1 ins Netz (69.). In der 72. Minute nutzte Marc Stein einen Fehler von Keeper Jakub Jakubov zum 2:1-Siegtor. Jakubov glitt der Ball durch die Finger, Stein sagte Danke.

Zur Wahrheit dieses Spiels gehört jedoch auch, dass Energie den umstrittenen Treffer der Berliner inklusive des provozierenden Jubels danach offenbar brauchte, um auf Touren zu kommen. Erst stolperte Tunay Deniz am Cottbuser Strafraum mehr, als dass er gefoult wurde. Den anschließenden Freistoß zirkelte der Mittelfeldspieler zwar fein ins Eck, den provozierenden Jubel direkt vor der Cottbuser Bank hätte er aber lieber gelassen. „Der größte Fehler des Gegners war, uns zu provozieren. Der Freistoß war ein fantastisches Tor. Der anschließende Jubel hat viele Emotionen reingebracht, die wir vielleicht gebraucht haben. Eine solche Provokation verbietet sich gegen den souveränen Spitzenreiter“, schimpft Wollitz.

Und auch Maximilian Zimmer ärgert sich über den Auftritt seines Ex-Klubs: „Das war eine Frechheit. So etwas macht man nicht. Man sollte immer Respekt vor dem Gegner haben. Wir haben gezeigt, dass Fairness und harte Arbeit eher zum Erfolg führen als so eine Lappalie.“

Energie Cottbus gegen den Berliner AK FOTO:

Der provozierende Jubel der Gäste nach dem Führungstreffer war das Gesprächsthema Nummer 1 nach dem Schlusspfiff. „Tunay Deniz ist ein überragender Fußballer und ein guter Typ. Er hat seinen Fehler auch sofort eingesehen“, erklärt Gäste-Coach Markus Zschiesche.

Womöglich hat Tunay Deniz mit seinem Auftreten nicht nur seiner Mannschaft, sondern auch sich selbst massiv geschadet. Denn Wollitz räumte ein, dass der 24-jährige Deutsch-Türke ein Kandidat für einen Wechsel im Sommer gewesen sei. Davon hat Energie spätestens seit Sonntag aber Abstand genommen. Wollitz: „Er ist ein sehr interessanter Spieler. Wir hatten ihn schon lange im Fokus. Aber Spieler mit so einer Mentalität sind nichts für Energie Cottbus.“