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Analyse

Angela Ruggiero kommt aus den USA und war selbst einmal Eishockeyspielerin. Vielleicht war die Athletensprecherin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) deswegen auch die perfekte Absenderin für die Idee mit dem Friedensnobelpreis. Es wäre doch schön, diese Auszeichnung dem gemeinsamen koreanischen Frauen-Eishockeyteam zu verleihen, sagte die 38-Jährige einem Reporter. Das Problem: Man will die Idee einfach nicht als die postulierte Einzelmeinung akzeptieren. Stattdessen beschleicht einen das Gefühl, dass das IOC und sein Präsident Thomas Bach über Umwege den Friedensnobelpreis für sich selbst gewinnen wollen.

Das würde das IOC natürlich entrüstet von sich weisen, aber die Zeiten, in denen die Öffentlichkeit Verlautbarungen aus dem Dunstkreis Bachs - und da ist Ruggiero zu verorten - unvoreingenommen zur Kenntnis genommen hat, sind vorbei. Selbstlosigkeit und Integrität sind angesichts von zahlreichen Korruptionsfällen innerhalb des IOC-Universums und des Wischi-Waschi-Umgangs mit dem Skandal um russisches Staatsdoping nicht länger die Werte, die man mit den Olympia-Machern verbindet.

Wer inzwischen Kalkül hinter allem vermutet, was Bach tut, der kommt nicht umhin, zu erkennen, wie sehr Bach die Rolle als Friedensstifter auf der koreanischen Halbinsel genießt. Olympia schafft, was die Politik nicht kann: eine Annäherung zwischen Nord und Süd. Dabei ist das, was Bach und das IOC vollführen, nichts anderes als Politik. Politik in eigener Sache. Politik als Mittel zum Zweck des Aufpolierens eines nach westlichen Wertvorstellungen gehörig ramponierten Images.

Schon bei Olympia 2000, 2004 und 2006 lief ein gesamtkoreanisches Team bei der Eröffnungsfeier ein. Warum also nun der Friedensnobelpreis? Weil die Sportpolitik ein gemeinsames Frauen-Eishockeyteam inszeniert hat? So schön die Idee auch klingt, sie wirkt scheinheilig. Und das beschädigt den Friedensnobelpreis am Ende mehr, als es ihn verdient. Stefan Klüttermann