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| 16:20 Uhr

Kommentar
DFB-Revision ist gute Nachricht für Energie Cottbus

Jan Lehmann
Jan Lehmann FOTO: Sebastian Schubert / LR
Cottbus. Der Nordostdeutsche Fußballverband hat eine Strafe gegen den FC Energie Cottbus wegen der rassistischen Vorfälle in Babelsberg aufgehoben – und der DFB kündigt prompt eine Revision an. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann sagt in seinem Kommentar, warum genau das auch eine gute Nachricht für den FC Energie ist.

Von Jan Lehmann

Der Nordostdeutsche Fußballverband hat eine Strafe gegen den FC Energie Cottbus wegen der rassistischen Vorfälle im Regionalliga-Spiel zwischen Babelsberg und dem FCE aufgehoben und das Verfahren eingestellt – und der DFB kündigt prompt eine Revision beim DFB-Bundesgericht an. So seltsam das klingen mag, aber meiner Meinung nach ist dies auch für den FC Energie eine gute Nachricht. Denn damit wird dieses Thema endlich mal auf großer Bühne verhandelt und womöglich ein Präzedenzfall geschaffen.

Die Grundsatzfrage lautet doch: Inwieweit kann man einen Fußballverein dafür verantwortlich machen, wie sich die Zuschauer während eines Fußballspiels verhalten? Klar: Die Vereine können als Veranstalter und oft auch als Hausherren dafür sorgen, dass gewisse Kleidung, gewisse Symbole oder gewisse Transparente im Stadion nicht erlaubt sind. Das ist kontrollierbar. Sie können sich auch klar und deutlich gegen Extremismus und Gewalt positionieren, wie es der FC Energie im Übrigen tut.

Aber darüber hinaus wird es schwierig: Was soll der Verein tun, wenn wie bei diesen unsäglichen Ausfällen beim Spiel in Babelsberg antisemitische Rufe von den Zuschauerrängen kommen, wenn deutlich der rechte Arm gehoben wird, wenn bewusst provoziert, randaliert und gezündelt wird?

Keine Frage, diese Szenen sind abscheulich und ich würde sie liebend gern aus allen Stadien diese Republik verbannen. Und dennoch sehe ich da die Grenzen der Clubs: Eine Gesinnungsprüfung am Stadiontor ist schlichtweg nicht realisierbar – und so lange Deutschland, Südbrandenburg, die Lausitz oder eben Cottbus eine offenbar funktionierende und leider wohl auch wachsende rechtsradikale Szene haben, wird es diese Probleme weiter geben.

Womöglich sollte sich deshalb nicht nur ein Sportgericht mit dieser Grundsatzfrage beschäftigen. Ich persönlich würde gern von Politik und Rechtsorganen wissen, wer in unserem Land die Verantwortung für diesen rechtsradikalen Terror übernehmen muss und wer die Bürger künftig davor schützen soll. Ganz ehrlich: Da fällt mir nicht unbedingt als erstes ein Fußballverein ein.