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Bergbau
Legt Tagebau Jänschwalde Lausitzer Seen flach?

Auch der Großsee verliert an Wasser. Derzeit ist der Wasserstand um einen Meter gesunken.
Auch der Großsee verliert an Wasser. Derzeit ist der Wasserstand um einen Meter gesunken. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Mehrere Seen in der Lausitz verlieren Wasser. Nach Einschätzung von Umweltministerium und Landesamt für Umwelt (LfU) soll dafür die Grundwasserabsenkung im Tagebau Jänschwalde verantwortlich sein. Die Leag weist dies zurück. Von Frank Hilbert

Neben dem Schwansee, dem Göhlensee und dem Pinnower See sollen auch der Groß- und Kleinsee, der Pastlingsee sowie der Schenkendöberner und Deulowitzer See betroffen sein. Laut Landesumweltamt betrage die tagebaubedingte Absenkung bei Groß- und Kleinsee derzeit etwa einen Meter. „Die weitere Absenkung dürfte besonders für den mit einer maximalen Tiefe unter zwei Meter relativ flachen Kleinsee problematisch sein“, betont LfU-Sprecher Thomas Frey auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Aus dem hydrogeologischen Gutachten für die Wasserfassung Atterwasch Nordwest sei bekannt, dass die Wasserstände im Pinnower See, Großsee und Kleinsee zukünftig nur durch Wasserüberleitung gehalten werden können.

Der Pastlingsee liege seit etwa 2007 im Absenkungsbereich des Tagebaus Jänschwalde. Der Abfall des Wasserspiegels bis auf 61,04 Meter im September 2015 seien von Leag und Landesbergamt, dem Lfandesumweltamt umd Umweltministerium hinsichtlich der Gewichtung der Ursachen wie Bergbau, Klima und Flächennutzung bislang unterschiedlich begründet worden. Zur Klärung der Anteile führe eine Firma eine Grundwassermodellierung durch. Sobald belastbare Daten vorliegen, soll das Ergebnis veröffentlicht werden, kündigt Frey an. Auch der Schenkendöberner und Deulowitzer See lägen „möglicherweise schon randlich im Absenkungsbereich“.

Die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) hat am Donnerstag auf diesbezügliche Medienberichte prompt reagiert. „Aus dem bisher gesammelten und bekannten Datenmaterial zur möglichen Ursachenermittlung eines Wasserverlustes von tagebaunahen Seen in der Lausitz lässt sich eine unmittelbare Verursachung durch den Tagebau Jänschwalde nicht nachweisen“, unterstreicht Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Die Leag widerspreche anderslautenden Aussagen vom Abteilungsleiter für Wasser- und Bodenschutz im Brandenburger Umweltministerium, der Tagebau gelte als eine Ursache für den Wasserverlust beim Pinnower See, dem Pastlingsee, dem Großsee und dem Kleinsee und sei vermutlich auch für den Wasserrückgang in Schenkendöberner und Deulowitzer See verantwortlich.

„Eine solche Feststellung überrascht uns, weil sie der fachlichen Grundlage entbehrt und im Übrigen auch nicht näher faktisch begründet wird“, sagt Ingolf Arnold, Leiter der Leag-Geotechnik. „Aus den uns zur Verfügung stehenden Messdaten und hydrogeologischen Kenntnissen lässt sich kein Zusammenhang zwischen dem Wasserverlust in den Seen und der Grundwasserabsenkung des Tagebaues Jänschwalde ableiten.“

Im Fall des Pastlingsees habe sich gezeigt, dass trotz der vorliegenden umfassenden Daten der Anteil des Bergbaus am Wasserverlust nicht nachgewiesen werden konnte. Deshalb werde derzeit eine weitere hochauflösende Grundwassermodellierung für das Pastlinggebiet durchgeführt. Es sei daher unverständlich, weshalb das Umweltministerium nicht den Abschluss aller Untersuchungen abwarte.

In Bezug auf den Pinnower See, den Großsee und den Kleinsee weist Ingolf Arnold darauf hin, dass die Grundwasserabsenkung durch den Tagebau Jänschwalde deren Einzugsbereich noch gar nicht erreicht habe. „Wenn dort also gleichermaßen ein Wasserverlust in den vergangenen Jahren zu verzeichnen war, dann muss das hauptsächlich klimatische Ursachen haben“, schlussfolgert er.

Arnold wirbt dafür, mit den betroffenen Kommunen und Behörden eine gemeinsame Lösung zur Verbesserung der Wassersituation in den betreffenden Seen zu finden. Schuldzuweisungen seien bei derart komplexen Sachverhalten gegenwärtig nicht Zielführend. Die Leag sei bereit, an einer zielorientierten Lösung zur Verbesserung des Kenntnisstandes und der Situation mitzuwirken.