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| 17:44 Uhr

Kolumne
Superlative und Prosecco

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: Redaktion / LR
Cottbus ist und bleibt das Herz der Lausitz.“ „Die Universität Potsdam ist der Leuchtturm der Brandenburger Hochschullandschaft.“ „Das GeoForschungsZentrum Potsdam stärkt das Land.“ „Unser Land hat zuletzt einen vor Jahren noch ungeahnten Aufschwung erlebt, die wirtschaftliche Lage hat sich deutlich verbessert.“ Vier zufällige Sätze, die erkennbar nichts miteinander zu tun haben. Außer, dass sie in der abgelaufenen Woche auf einem Neujahrsempfang gefallen sind. Also auf jener Art von Veranstaltung, die in diesen Tagen geradezu inflationär das Land beherrscht. Kaum ein Tag, an dem nicht eine Kommune, ein Verband oder eine Interessenorganisation zu Wein und Häppchen einlädt. Man wirft sich in Schale, hört einige Grußworte, wünscht sich ein schönes neues Jahr und tauscht sich aus. Und immerhin: Wo sich früher manche Zeitgenossen hemmungslos die Kante gaben, kommen immer mehr auch alkohol­freie Getränke in Mode. Selbst das alkoholfreie Bier hat endlich seinen Weg auf Brandenburgs Empfänge gefunden. Von Benjamin Lassiwe

Und man freut sich über die Grußworte. Denn schließlich ist es eines der Kennzeichen von Neujahrsempfängen, dass sie so wunderbar positiv ausfallen. Alles ist prima, super, spitze – eigentlich müsste man in diesem Jahr gar nicht mehr weiterarbeiten. Und weil es so schön ist, erträgt man es natürlich auch spielend, wenn die Rede zehn Minuten länger dauert als geplant. Darauf einen Prosecco oder gut brandenburgisch: ein Rotkäppchen. Erst im März oder April, wenn allmählich der Plastikboden der Streudose der Plattitüden, Superlative und hohlen Floskeln der Redenschreiber zu sehen ist, wird es besser. Aber nur für kurze Zeit. Denn kaum ist das Osterfest vorbei, stehen ja schon die ersten Sommerfeste grußwortfröhlich vor der Tür.