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| 17:20 Uhr

Lesermeinung
Entgleisung

Roland Jahn und die Mauer

Zu „Die Berliner Mauer ist so lange weg, wie sie stand“ (LR, 5. Februar): Nie seit dem Fall der Mauer habe ich dümmere sprachliche Notdurft einer Politprominenz der Bundesrepublik gelesen (...). Der „unerschrockene Widerständler gegen das SED-Regime und heutige Bundesbeauftragte Jahn gab dieses Konstrukt von sich: „Wie konnten wir uns dermaßen an diese Mauer gewöhnen und uns damit abfinden. Selbst er habe nicht den Mut gehabt, offen dagegen zu demonstrieren, dabei hätten wir eigentlich jeden Tag demonstrieren müssen, gegen dieses Monument der Menschenrechtsverletzung.“ Er vergisst dabei, dass die Mauer weltpolitisches Gewicht hatte und 100 Jahre Bestand haben sollte. Jahn selbst war am Tage des Mauerbaus ein Thälmann-Pionier, und bevor er 1983 Bundesbürger wurde, hatte er Zeit, seinen Mut auszuleben.

Nach dem Abitur leistete er ausgerechnet bei jenem bewaffneten Organ des SED-Staates seinen Ehrendienst, das im Herbst 1989 zur Aufrechterhaltung der inneren Ruhe in Leipzig aufmarschiert war. Doch diese Demonstration läutete das Ende der DDR ein, das wir nur Gorbatschow und dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu verdanken haben. Frühere Proteste aber hätten mit der ungewollten Hilfe ihrer Teilnehmer durch den Häftlingsfreikauf sehr viel Geld in die leeren Kassen der DDR gespült.

Jahn sollte also mit seinen großen Worten die Kirche im Dorf lassen, zumal er in seinem Buch „Wir Angepassten“ für das Recht auf Anpassung wirbt.

Kurt Noack
Groß- Kölzig