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| 17:29 Uhr

Zeitloser Stil
Forscher folgen Spur einer Lampe

Ulrich Röthke vom Fachgebiet für Kunstgeschichte betrachtet die Produkte der Spremberger Firma Römmler als wegweisend für spätere Designs, zum Beispiel für diese Lampe und das Geschirr aus der DDR.
Ulrich Röthke vom Fachgebiet für Kunstgeschichte betrachtet die Produkte der Spremberger Firma Römmler als wegweisend für spätere Designs, zum Beispiel für diese Lampe und das Geschirr aus der DDR. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg/Cottbus. Wegweisende Produkte schrieben Designgeschichte – und faszinieren die Wissenschaft.

Vom Schreibtisch des russischen Diktators führt die Spur nach Spremberg. Das Museum für politische Geschichte in Sankt Petersburg ließ das Arbeitszimmer von Josef Stalin nachbauen. Auf dem Tisch steht eine Lampe, die der Designer Christian Dell entwarf. Vor fast 100 Jahren arbeitete er im Auftrag der Spremberger Firma Römmler.

Die Lampe interessiert deutsche Forscher. Zu ihnen gehört der Kunsthistoriker Ulrich Röthke. Sein Büro befindet sich in einem Lehrgebäude der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus. „Die Geschichte der Römmler AG aus Spremberg finde ich überaus spannend“, sagt er. „Die Entwürfe des Designers Christian Dell führten zu wegweisenden Produkten.“ Diesen Aspekt wird im nächsten Jahr eine Ausstellung im Cottbuser Dieselkraftwerk beleuchten. Sie widmet sich der Bauhaus-Kultur. Deren Ideal lautete: Schön ist, was funktioniert.  

Plastikgeschirr, dessen Einzelteile sich ineinander stapeln lassen. Einfache, klare Formen, die sich heute bei Produkten von Ikea finden. Damals handelte es sich um gewagte Entwürfe. Ulrich Röthke sagt: „Spremberg schrieb Designgeschichte.“  Zu diesem Erbe zählt die Lampe auf dem Tisch des russischen Diktators, wie sie das Museum zeigt.

Noch fehlen den Forschern Dokumente, die belegen, dass die Lampe auch im echten Zimmer von Josef Stalin stand. Ausgeschlossen ist es nicht.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Kunststoffgeschichte hofft, dass sich die Frage klären lässt. Fasziniert zeigt sich Dr. Günter Lattermann aus Bayreuth von der Spremberger Firma. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Produktion abmontiert und bei Moskau wieder aufgebaut“, erläutert er. „Die Pressform der russischen Lampe entspricht haargenau dem deutschen Modell.“

Ulrich Röthke von der Cottbuser Universität pflichtet ihm bei. „Diese Lampe steht regelrecht für den Stil in sowjetischen Büros der 50er und 60er Jahre.“ So bediente sich die Sowjetunion an der Arbeit des deutschen Designers Christian Dell. Das Patentrecht schien die Funktionäre nicht zu kümmern.

Ein Teil der Römmler AG ging nach dem Zweiten Weltkrieg in den Sprela-Werken auf. Viele Mitarbeiter verließen den Osten Deutschlands. In Groß-Umstadt entwickelten sie Einbauküchen und Nierentische. Im Jahr 1971 nahm die Firma den Namen Resopal an. Er beruht auf dem berühmten Werkstoff, von Römmler im Jahr 1930 als Patent angemeldet.

Auch in der DDR entstanden Produkte, die an die Waren der Spremberger Römmler AG erinnern. So entwarf der Designer Hans Merz Teller, Tassen und Kannen aus Plastik.

Mit diesem Stand nahm die Firma aus Spremberg 1931 an der Leipziger Messe teil, dokumentiert im „Schwäbischen Bilderblatt“.
Mit diesem Stand nahm die Firma aus Spremberg 1931 an der Leipziger Messe teil, dokumentiert im „Schwäbischen Bilderblatt“. FOTO: Röthke Archiv / Ulrich Röthke