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Engpass bei freien Kitaplätzen
Kita-Not bringt Ruhland in Bedrängnis

Freie Kindergartenplätze sind im Amt Ruhland rar. Das Amt muss gegensteuern. Für die Kita Guteborn (Foto) soll es zum Schuljahr 2018/19 mit der Nutzung des „Hauses der Begegnung“ für die Hortkinder eine erste Entlastung geben.
Freie Kindergartenplätze sind im Amt Ruhland rar. Das Amt muss gegensteuern. Für die Kita Guteborn (Foto) soll es zum Schuljahr 2018/19 mit der Nutzung des „Hauses der Begegnung“ für die Hortkinder eine erste Entlastung geben. FOTO: Steffen Rasche
Ruhland. Das Amt steuert dem Engpass entgegen. In Guteborn sollen die Hortkinder ins „Haus der Begegnung“ ausweichen. Für Ruhland ist der Bau eines multifunktionalen Zentrums im Gespräch. Von Andrea Budich

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Insofern war der jüngste Amtsausschuss in Schwarzbach ein kleiner Krisengipfel zum Thema Kita-Kapazitäten im Amt Ruhland.

Dabei ist es nicht die anhaltend hohe Geburtenrate, die überrascht. Der Baby-Boom macht auch um die zum Amt gehörenden Dörfer keinen Bogen. Zwischen 50 und 60 Neugeborene gibt es im Jahr. 2015 war mit 68 Kindern ein Rekordjahr. .Was jedoch in keiner Statistik ablesbar ist, sind die erheblichen Zuzüge von jungen Familien mit kleinen Kindern, die im Amt heimisch werden. Gerade bei Häuslebauern sind die in ländlicher Idylle gelegenen Dörfer in Autobahnnähe zunehmend gefragt. „Das ist nicht planbar und bringt das Amt trotz aller Freude über die Zuzüge in Bedrängnis“, erklärt Amtsdirektor Roland Adler die Situation.

Inzwischen besteht sogar dringender Handlungsbedarf. Richtig eng geht es bereits in den beiden Kindertagesstätten in Ruhland und in Guteborn zu. Wenig Luft gibt es hingegen noch in den Kitas in Grünewald und in Hohenbocka. Elternwünsche nach einer bestimmten Kita können daher schon jetzt nicht mehr in jedem Fall erfüllt werden.

Damit hat sich im Amtsgebiet zwischen Hohenbocka, Sella, Arnsdorf und Jannowitz das Blatt grundlegend geändert. Mussten in den 1990er-Jahren noch Kindergärten wie der in Schwarzbach geschlossen werden, sind heute alle sechs Häuser bis unters Dach gut gefüllt und es gibt kaum noch freie Kapazität. Alle sechs Kindertagesstätten, ob in kommunaler oder freier Trägerschaft, haben sicher bis ins Jahr 2021 Bestand. Das ist Schwarz auf Weiß im jüngst beschlossenen Kita-Bedarfsplan festgeschrieben. Noch vor Jahren hatte zumindest der „Kastanienbaum“ in Grünewald gewackelt.

Auf den Kita-Engpass muss das Amt reagieren. In Guteborn gibt es derzeit nur noch einen Spielraum von fünf freien Kita-Plätzen. Anmeldungen indes liegen schon bis ins Jahr 2019 vor. Den Plan von einem Neu- oder Anbau hat das Amt dennoch verworfen.

„Mit dem Haus der Begegnung wollen wir vorhandenes Potenzial nutzen“, erklärt Amtsdirektor Roland Adler die Strategie. Die Gemeinde Guteborn stellt dabei dem Amt das Haus zur Verfügung, dieses kommt im Gegenzug für die Betriebskosten auf und zahlt eine monatliche Kaltmiete in Höhe von 400 Euro. „Damit gehen wir der Gefahr aus dem Weg, eine Fehlinvestition zu tätigen, die vielleicht in zehn Jahren leer in der Landschaft steht“, begründet der Amtschef. Schon im nächsten Sommer soll das Haus der Begegnung neuer Anlaufpunkt für die Hortkinder sein. Letztes Wort dazu haben im März Guteborns Gemeindevertreter.

Einen Lösungsansatz gibt es auch für den Problemfall Nr. 2 in Ruhland. Bei den „Spurensuchern“ sind jetzt schon alle verfügbaren 185 Plätze belegt. Für Ruhland ist mittelfristig der Bau eines mulitfunktionalen Zentrums im Gespräch. Unter einem Dach könnten dort von der Krippe bis zum Seniorenheim alle Generationen eine Bleibe bekommen. Von der möglichen Mehrfachnutzung würde zu Spitzenzeiten auch der übervolle Ruhlander Kindergarten profitieren.