ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:38 Uhr

Forschung
Lübbenauer startet in Antarktis mit Gemüsezucht

Die Container für die Gemüsezucht sind in der Antarktis angekommen.
Die Container für die Gemüsezucht sind in der Antarktis angekommen. FOTO: DLR
Antarktis/Lübbenau. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben mit dem Aufbau eines neuartigen Gewächshauses im ewigen Eis begonnen. Von Rüdiger Hofmann

„Wir konnten es kaum erwarten, nachdem wir als vierköpfiges Aufbauteam vor Weihnachten unsere Füße auf den antarktischen Kontinent gesetzt haben“, sagt EDEN-ISS-Projektleiter Daniel Schubert. In den nächsten Wochen errichtet sein vierköpfiges Team um den Lübbenauer Paul Zabel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das für extreme Umwelten konzipierte Gewächshaus nur 400 Meter von der deutschen Neumayer-Station III in der Antarktis. Diese wird durch das Alfred-Wegener-Institut betrieben, das zusammen mit dem DLR das EDEN-ISS-Projekt realisiert.

Die Container werden vom Schiff entladen.
Die Container werden vom Schiff entladen. FOTO: -- / dpa

Die Gewächshaus-Container wurden bereits Anfang Dezember in Südafrika verschifft und haben nun die Station an der Antarktis erreicht. Das Grundgerüst sind zwei einfache Schiffscontainer, die zusammen eine Länge von zwölf Metern haben. Die Metallkästen sind gefüllt mit modernster Technik, inklusive Wassertanks, einer extrem effektiven Isolierung, wie Paul Zabel vor seinem Start der RUNDSCHAU erklärte. Ein System aus Wasserleitungen, Lampen, Düsen und Filtern schafft optimale Wachstumsbedingungen. 23 Grad Temperatur, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Die Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bauen das  neuartige Gewächshaus in der Antarktis auf.
Die Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bauen das neuartige Gewächshaus in der Antarktis auf. FOTO: -- / dpa

Ideales Testgebiet im ewigen Eis

„Die Antarktis ist das ideale Testgelände für die Gemüsezucht ohne Erde mit künstlichem Licht in einem abgeschlossenen System, in dem sämtliches Wasser recycelt wird und keine Pestizide und Insektizide benötigt werden“, erklärt Paul Zabel. Der Testlauf soll die Kultivierung von Nutzpflanzen in Wüsten sowie Gebieten mit tiefen Temperaturen auf der Erde wie auch für zukünftige bemannte Missionen zu Mond und Mars demonstrieren.

Die Container für die Gemüsezucht sind am Bestimmungsort angekommen.
Die Container für die Gemüsezucht sind am Bestimmungsort angekommen. FOTO: DLR

Auch die Luft im Gewächshaus soll das Gedeihen der Pflanzen fördern. Sie hat einen höheren Kohlendioxid-Gehalt. Filter halten Keime und Pilzspuren ab, eine spezielle Anlage sterilisiert die Luft mit UV-Strahlung. Pestizide sind deshalb nicht nötig. Das Gewächshaus verfügt über einen geschlossenen Kreislauf, in dem Luft und Wasser immer wieder recycelt werden. Die Energie kommt von der 400 Meter entfernten Forschungsstation Neumayer III.

Im Licht der Mitternachtssonne

Da sich das Gewächshaus einige Tage auf dem Seeweg verspätete, erlebte das DLR-Team, wie es sich anfühlt, weiße Weihnachten und die Silvesternacht im Licht der Mitternachtssonne zu erleben. „Weihnachten haben wir zusammen mit der AWI-Mannschaft in der Station verbracht“, sagt Projektleiter Schubert. „Es war ein besonderer Moment, nachts um eins auf dem Dach der Station zu stehen und die Aussicht zu genießen. Man muss um diese Uhrzeit immer noch Sonnencreme benutzen. So stark scheint die Sonne dann noch.“ Da für alle aktuell 50 Bewohner der Neumayer-Station III die Weltzeit gilt, begrüßten sie das neue Jahr eine Stunde später als in Deutschland. „Mit der Sonne über dem Horizont mussten wir uns erst einmal klar machen, dass gerade ein neues und für uns unglaublich spannendes Jahr beginnt“, beschreibt der Lübbenauer Paul Zabel seine Eindrücke. „Ein Feuerwerk gab es nicht, weil es schlicht in der Antarktis nicht erlaubt ist, aber wir haben alle gemeinsam auf 2018 und die bevorstehende gemeinsame Forschung angestoßen.“

Viel Zeit bleibt den Forschern um Daniel Schubert vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme nun nicht, um das in Containern integrierte Gewächshaus funktionstüchtig zu machen. „Nachdem die zwei Containerteile von der Schelfeiskante zur Station geschleppt und auf dem vorinstallierten Gerüst zusammengesetzt sind, müssen wir schnell mit der Inneneinrichtung beginnen“, erklärt Schubert. „Regale müssen eingerichtet, Pumpen für die Nährlösung installiert und Spezial-LEDs für die optimale Beleuchtung kalibriert werden. Dann soll bereits die Aussaat beginnen.“

Ende März erste Ernte

Bereits Mitte Februar heißt es dann für Daniel Schubert sowie seine zwei Team-Kollegen Conrad Zeidler und Matthew Bamsey die Rückreise über Kapstadt nach Deutschland anzutreten, wenn eines der letzten Flugzeuge die Neumayer-Station III verlässt. Zurück bleibt Paul Zabel, der sich in den Monaten der Überwinterung um die Pflanzenzucht im polaren Winter kümmert. „Wenn wir pünktlich Anfang Februar aussähen, hoffe ich, Ende März die ersten Salate und Radieschen ernten zu können“, so der Lübbenauer.