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| 15:15 Uhr

Guben
Soziale Themen im Fokus

Peter Stephan (r.) wird für die Fraktion Die Linke in den Bürgermeisterwahlkampf ziehen. Im Anschluss an die Nominierung sprach er mit Mitgliedern wie Randy Andro.
Peter Stephan (r.) wird für die Fraktion Die Linke in den Bürgermeisterwahlkampf ziehen. Im Anschluss an die Nominierung sprach er mit Mitgliedern wie Randy Andro. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Der Gubener Peter Stephan will Bürgermeister werden. Stasi-Zusammenarbeit als Altlast. Von Silke Halpick

Mit 16 Stimmen bei einer Enthaltung ist Peter Stephan am Dienstagabend von der Partei „Die Linke“ als Bürgermeister-Kandidat nominiert worden.  Der  gebürtige Gubener ist parteilos und will ein Stadtchef „für alle“ werden, wie er sagt. Er setzt auf weniger Bürokratie und mehr Unterstützung für das soziale Leben in Guben. Als „schwarzen Fleck“ in der eigenen Biografie bezeichnet er seine Zusammenarbeit mit der Stasi.

„Mit diesem Widerspruch muss ich leben“, räumt Peter Stephan gleich zu Beginn der Nominierungsveranstaltung ein. Daran gebe es auch „nichts schönzureden“. Während seines Wehrdienstes an der deutsch-deutschen Grenze hat er von 1985 bis 1988 Soldaten für den DDR-Geheimdienst eingeschätzt. Dabei sei es lediglich darum gegangen, ob sie zuverlässig für den Dienst mit der Waffe seien.  „Ich habe mit meiner Einschätzung keine Biografien oder gar Leben zerstört“, stellt Stephan klar. Nach der Armeezeit habe er keinen Kontakt mehr zur Stasi gehabt. Dies ist seit 2012 bekannt.

Aus politischer Überzeugung habe er damals gehandelt, jetzt sei sein Blick „differenzierter“, wie der 53-Jährige betont. Er wehrt sich dagegen, sein bisheriges Leben auf diese drei Jahre zu reduzieren. Gleichzeitig wünscht er sich eine intensivere gesellschaftliche Diskussion über solche Themen beispielsweise an den Schulen. Stephan ist kein Einzelfall. Auch der ehemalige Gubener Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) soll während seiner Armeezeit bei den Grenztruppen Berichte über Kameraden an die Stasi geliefert haben.

Mitglied der Fraktion „Die Linke“ ist Peter Stephan seit 2010. Dass er kein Parteibuch hat, sieht er nun als Vorteil: „Ich will ein Bürgermeister für alle werden“, betont er. Der eigene „Frust“ über oft viel zu lange Entscheidungswege und den meist nur kurzfristig ausgerichteten Fokus der Verwaltung haben ihn motiviert, als Kandidat anzutreten, wie er sagt. „Viele Leute auf der Straße meckern“, so Stephan. Er ist sich sicher, dass die Linken in Guben Politik „in vorderster Reihe“ machen können.

Mit sieben Sitzen ist die Links-Fraktion die stärkste in der Stadtverordnetenversammlung. Dennoch gelang es noch keinem Nominierten, sich bei der Bürgermeisterwahl durchzusetzen. Kerstin Nedoma scheiterte im vergangenen Jahr in der Stichwahl mit 42,2 Prozent am Wahlsieger Klaus-Dieter Hübner, der auf 57,8 Prozent der Stimmen kam.

Gleich nach der Wahl erklärte Nedoma, für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Rückblickend spricht sie auf der Nominierungs-Veranstaltung von einer „schweren Zeit“, die hinter der Fraktion und der Partei liegt. Die Kandidatur von Peter Stephan  begrüßt sich ausdrücklich. Für sie ist der Vater von zwei Kindern eine „authentische Alternative“.

Viele Gubener kennen Peter Stephan als Mitorganisator der traditionellen Maifeiern der IG Bau in der Gartensparte Süd-West in Guben. Der studierte Diplom-Volkswirt arbeitet als Elektriker bei einem Gubener Unternehmen. Viele Jahre war er Vorsitzender des Fördervereins für alternative Jugendarbeit im Comet. Dieses Amt hat er jetzt abgegeben. Seit 2010 leitet er auch den Sozialausschuss.

Vor allem die sozialen Themen liegen ihm am Herzen. Stephan will das Ehrenamt in der Stadt stärken, schätzt die Arbeit des Kunst- und Kulturbeirats und kann auch die Entscheidung, den Standort des Weihnachtsmarktes gegen den Willen der Händler zu verlegen, „nicht verstehen“.

Stephans künstlerische Seite kennen hingegen nur Freunde und Insider: Mit der Band „Fallobst“ und dem Duo „Leonardo und die Cabrios“ erreichte er sogar regionale Popularität. Heute spielt der Autodidakt allerdings die Gitarre nur noch für den „Hausgebrauch“, wie er erzählt.