| 18:15 Uhr

Charity-Auktion in Finsterwalde
„Alles ist raus, alles!“ – 22 745 Euro sind drin

Wolfgang Pauritsch, bekannt aus der ZDF-Kultreihe „Bares für Rares“, hat am Donnerstag in knapp drei Stunden mehr als 80 Werke zeitgenössischer Künstler sowie Uhren, Schmuck, die Luther-Statue und ein Energie-Trikot versteigert.
Wolfgang Pauritsch, bekannt aus der ZDF-Kultreihe „Bares für Rares“, hat am Donnerstag in knapp drei Stunden mehr als 80 Werke zeitgenössischer Künstler sowie Uhren, Schmuck, die Luther-Statue und ein Energie-Trikot versteigert. FOTO: Frank Claus / LR
Finsterwalde. Charity-Versteigerung der Sparkasse Elbe-Elster bringt stolze Summe zur Anschaffung eines Steinway-Flügels.

Das war ein Clou: Die Benefizversteigerung der Sparkasse Elbe-Elster am Donnerstagabend hat ein sensationelles Ergebnis eingebracht. 22 745 Euro stehen nun zur Anschaffung eines Steinway-Flügels für die künftige Stadthalle in der Sängerstadt auf der Habenseite. Das ist ein stattlicher Anfang, um das etwa 120 000 Euro teure, hochwertige Musikinstrument finanzieren zu können.

„Alles ist raus, alles!“, konnte im voll besetzten Pavillon der Sparkasse der aus der ZDF-Kultreihe „Bares für Rares“ bekannte Auktionator Wolfgang Pauritsch nach knapp drei Stunden straffer Auktion verkünden. Äußerte er im Vorfeld noch, für die etwa 80 Stücke – darunter Gemälde von zumeist Elbe-Elster-Berufskünstlern, Uhren, Schmuck, die übermannsgroße Luther-Statue des Jubiläumsjahres 500 Jahre Reformation und ein signiertes Original-Trikot der Energie-Fußballer – etwa 10 000 Euro zusammen zu bekommen, übertraf er sich am Ende selbst.

Kein Wunder: Mit seiner locker-charmanten Art hat er den gut gelaunten und spendenwilligen 110 Gästen die Euros für den guten Zweck aus der Tasche gezogen. Noch bevor der erste Hammer fiel, waren schon mal 2750 Euro aus den Eintrittsgeldern auf dem Konto. Das Gros der versteigerten Objekte stammte aus dem Fundus der Sparkasse, die im Rahmen ihrer regelmäßigen Kunstallee stets einzelne Werke der ausstellenden Künstler aufkauft, um sie auf diese Weise zu unterstützen.

Renner an diesem Abend waren Bilder, Grafiken, Gemälde und Radierungen der Altenauer Künstler E.R.N.A. und Paul Böckelmann, der verstorbenen Elbe-Elster-Kunstschaffenden Eckard Böttger und Horst Bahr sowie des Maasdorfers Uwe Schaffranietz und des Lausitzers Gunter Schurig. Bezahlt wurden für die Stücke zumeist zwischen 200 und 800 Euro. Geboten wurde häufig in 20- oder 50 Euro-Schritten. „Ich lebe von Geboten“, meinte Wolfgang Pauritsch und ließ oft seine erworbene Kunstkenntnis aufblitzen. Seit 1993 ist er im Kunstgewerbe tätig, inzwischen gilt er zudem als Kenner der Oldtimerszene.

Elbe-Elsters Luther-Statue erzielte den höchsten Erlös. 1300 Euro war sie einem Bieter, der das Symbol für Elbe-Elster erhalten will, wert.
Elbe-Elsters Luther-Statue erzielte den höchsten Erlös. 1300 Euro war sie einem Bieter, der das Symbol für Elbe-Elster erhalten will, wert. FOTO: Janine Kauk / LR

Wenn das eine oder andere Stück dann doch nicht mal so zügig wie erwartet weggehen wollte, versüßte der Auktionator mit Zugaben – mal einer Uhr, mal mit einer Kette oder mit Ohrsteckern. Als die Gäste dem Mann schließlich hintereinander ohne langes Federlesen die Objekte aus der Hand rissen, „flehte“, er: „Jetzt brauch’ ich erst mal einen Schnaps.“ Den er freilich bekam.

Dass man bei einer Auktion gleich mal 100 Euro geschenkt bekommt – das gibt es wohl nur in Finsterwalde. Als sich zwischen zwei Bietern ein „Kampf“ um das E.R.N.A.-Gemälde „Mutter“ entspann – darauf schützt eine Mutter ihr Kind – griff der Auktionator „steuernd“ ein und schenkte der werdenden Mutter Natalia Winter mit ihrem Mann Julian einhundert Euro, um sie zum Höchstgebot zu treiben. Ein Mercedes zum Schnäppchenpreis ging auch noch über den Tisch. In diesem Fall eine Schreibmaschine aus dem Jahr 1927, die sich ein Bieter für 85 Euro sicherte. Hier blitzte die Erfahrung des „Bares für Rares“-Auktionators durch: „Davon gibt es vermutlich noch 100 000 Stück“, sagte er und beglückwünschte den neuen Besitzer: „Sie haben noch nie einen Mercedes für so kleines Geld bekommen.“

 Angie Sebastian aus Calau freute sich riesig, das Energie-Trikot ersteigert zu haben. „Das ist für meinen Freund zum Geburtstag“, erklärte sie freudestrahlend.

Das höchste Gebot gab es mit 1300 Euro schließlich für die übermannsgroße Luther-Statue, neben dem Luther-Pass das Elbe-Elster-Symbol im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation. Auf die Frage, aus welchem Material der Luther denn bestehe, flachste Wolfgang Pauritsch: „Aus Weißgold natürlich!“ Der neue Besitzer ließ schon mal durchblicken, dass er auch künftig wolle, dass das Luther-Unikat – eine Statue aus Kunststoff – weiter öffentlich ausstrahlt.

Den höchsten Preis für ein Gemälde erzielte Eckard Böttgers Werk „Jonas taucht“ mit 800 Euro, eine Bovenit-Uhr ging für 500 Euro weg. Mit tosendem Applaus wurde schließlich das letzte Stück, ein Gemälde von Ararat Haydeyan aus Saathain, versteigert. Sparkassenvorstand Jürgen Riecke zeigte sich verblüfft und meinte zum Auktionator. „Sie sind schon ein verrückter Kerl!“. Er dankte René Stolpe für dessen Auktionsidee und den vielen Sparkassen-Mitarbeitern für die Ausgestaltung des Abends.

Für das eine oder andere Werk packte der Auktionator auch noch mal was drauf – in diesem Fall eine Kette und eine Uhr.
Für das eine oder andere Werk packte der Auktionator auch noch mal was drauf – in diesem Fall eine Kette und eine Uhr. FOTO: Frank Claus / LR
Volles Haus im Pavillon der Sparkasse: 110 Gäste mit Auktionskarte und weitere Neugierige ließen sich die Versteigerung nicht entgehen.
Volles Haus im Pavillon der Sparkasse: 110 Gäste mit Auktionskarte und weitere Neugierige ließen sich die Versteigerung nicht entgehen. FOTO: Frank Claus / LR