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| 16:27 Uhr

Bad Liebenwerdas Innenstadt-Projekt
Visionen für die Bahnhofstraße der Kurstadt

Studenten der BTU Cottbus legten Entwürfe für die Revitalisierung der Bahnhofstraße Bad Liebenwerda vor. Ein Ansatz – den Mühlgraben einbeziehen.
Studenten der BTU Cottbus legten Entwürfe für die Revitalisierung der Bahnhofstraße Bad Liebenwerda vor. Ein Ansatz – den Mühlgraben einbeziehen. FOTO: BTU Cottbus Senftenberg / LR
Bad Liebenwerda. Nach vielen Nachfragen: LR zeigt noch einmal die Ideen von BTU-Studenten zur Revitalisierung der einstigen Einkaufsstraße. Von Frank Claus

Die Auftaktveranstaltung im November des zurückliegenden Jahres in Bad Liebenwerda war ein Paukenschlag.

Es ging um die Bahnhofstraße, das Sorgenkind der Stadt. Dabei hat sie noch immer eine wichtige Funktion. Sie ist die Verbindungsachse aus dem Wohngebiet „Dichterviertel“ in die Innenstadt und zugleich Hauptstraße für Besucher, die aus Richtung Herzberg kommen. Wo früher Buchhandlung, Haushaltwarenladen, Spirituosengeschäft, Modeartikel, eine Drogerie und gleich zwei Bäckereien zum Einkaufen einluden, herrscht heute Leerstand beziehungsweise ist Einkaufen kaum noch möglich. Auch, weil Parkplätze dort so gut wie nicht vorhanden sind. Dazu kommen private Häuser, die verfallen oder in die auf absehbare Zeit die Eigentümer entweder aus Alters- oder Kostengründen vermutlich kaum noch investieren werden.

Wie also weiter mit der Bahnhofstraße? Die Stadt und ihr Sanierungsträger haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt und sich frische Ideen und den unvoreingenommenen Blick von außen „eingekauft“. Studenten des Lehrstuhls Städtebau und Entwerfen an der BTU Cottbus-Senftenberg erwiesen sich als Glückstreffer. Unter Leitung von Prof. Heinz Nagler und Diplomingenieur Philipp Strohm klappten sie eine Woche lang ihre Laptops direkt in der Bahnhofstraße auf und analysierten, recherchierten, debattierten ins sechs Gruppen mit Einwohnern und legten schließlich Entwürfe vor. Mit einem gewaltigen Aha-Effekt!

Denn sie dachten quer und bauten trotzdem keine Luftschlösser. Dafür aber Visionen, die selbst die Anlieger der Straße verblüfften.

Und nach der RUNDSCHAU-Veröffentlichung mit zahlreichen Illustrationen hieß es aus der Bevölkerung immer wieder: Das wollen wir auch noch einmal sehen. Nun soll es soweit sein. Zwar ist die Fortschreibung nach dem Workshop nicht ganz beendet – vermutlich im April soll es dazu einen weiteren großen Aufschlag geben –, aber um noch mehr Bevölkerung einzubeziehen, kann ein Rückblick auf bis jetzt Erreichtes weitere Anteilnahme der Einwohner anregen. Was wünscht sich eine Stadt mehr?

Philipp Strohm freut sich auf die neuerlichen Begegnungen in Bad Liebenwerda. „Ich denke, ich werde mit einigen Studenten kommen, um noch einmal aufzuzeigen, welche Überlegungen wir angestellt haben“ Das Ganze soll nicht im Frontalvortrag erfolgen, sondern im Dialog zwischen RUNDSCHAU-Moderator, den Gästen aus Cottbus, Bürgermeister Thomas Richter und den interessierten Einwohnern. Gezeigt werden sollen auf Leinwand viele Skizzen – darunter auch weit gegriffene Visionen. Philipp Strohm wird den jetzt erreichten Arbeitsstand erläutern ohne der zusammenfassenden Studie vorzugreifen.

Was hatten die Studenten im November bereits vorgelegt? Bis auf eine studentische Gruppe gehen nach der Analyse der Situation alle anderen davon aus, dass die Bahnhofstraße als Geschäftsstraße ausgedient hat.

Ihre These, die beim jetzigen Zustand wie Spinnerei klingt: Die Bahnhofstraße hat alle Chancen, eine der attraktivsten Wohngegenden der Stadt zu werden. Mit einem eigentlich simplen „Trick“: Investitionen in der zweiten Reihe der Bahnhofstraße. Denn was kaum einer weiß: Der hinter der Häuserzeile befindliche Mühlgraben hat Potenzial zur Flaniermeile. Außerdem besteht mit der Einbeziehung die Möglichkeit, die Bahnhofstraße direkt an das Kurparkareal anzubinden.

Die Hochwasserschutzmaßnahmen inbegriffen, könnte am Mühlgraben eine Promenade entstehen – mit Sitzmöglichkeiten, Bootsstegen, sprudelnden Brunnen. Durch Abriss baufälliger Häuser kämen neue Wegebeziehungen dazu. Beide gingen noch einen Schritt weiter, wollen ein Begegnungszentrum, das sowohl in Richtung Rösselpark als auch zum Mühlgraben durchlässig gestaltet wird. In anderen Entwürfen werden Mühlgraben- und Schwarze-Elster-Lauf sowie die Brücken dezent beleuchtet. Venedig lässt grüßen.

 In ähnliche Richtung denken die zweiten Preisträger. Sie setzen auf die weitere Qualifizierung der Stadt als Kurort, wollen Rundwege entlang der Kurinsel und der Bahnhof-
straße schaffen. Überzeugend auch ein Entwurf, der sich mit markanten Gebäuden in der Bahnhofstraße beschäftigt. So sollte zum Beispiel das linksseitig stehende große Wohnhaus hinter der Elsterbrücke gegenüber ein Pedant erhalten – quasi wie ein Stadttor. Mega-Potenzial habe die versetzte Ecke der Kreuzung Schlossstraße/Nordring.

Kühn der Vorstoß, deutlich mehr alte Gebäudesubstanz abzureißen, die Bahnhofstraße zumindest bis zur Schlossstraße luftiger zu gestalten. Eine Studentin „baut“ in die Lücken Villen. Ebenso anregend der Vorstoß, in der jetzigen Freifläche neben Optiker Weizsäcker ein Bürgerzentrum zu etablieren mit beidseitig angeordneten Stufen, die zum Verweilen einladen – zum Beispiel beim Sommernachtskino.

Sie sind neugierig geworden? Dann ist „LR vor Ort“ Ihr Termin am 22. März, 19 Uhr, Villa Nuova Bad Liebenwerda.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR