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| 18:00 Uhr

Ängste vor Sicherheitsproblemen
Überfüllte Schulen in Cottbus

Überfüllte Klassen und zunehmende Sicherheitsbedenken
Überfüllte Klassen und zunehmende Sicherheitsbedenken FOTO: johoo / johoo - stock.adobe.com
Cottbus. Die Enge in Cottbuser Schulen nimmt zu, und mit ihr die Ängste vor Sicherheitsproblemen. Von Andrea Hilscher

Noch ist mehr als ein halbes Jahr Zeit bis zum Beginn des nächsten Schuljahres, doch schon jetzt blicken Verwaltung, Schulleiter und Lehrer mit Sorge auf die Entwicklung der Schülerzahlen. Denn wo im vergangenen Jahr bereits mit zahlreichen Provisorien und Notvarianten gearbeitet werden musste, werden Enge und Platznot in diesem Jahr noch zunehmen.

Maren Dieckmann, Bildungs- und Sozialdezernentin: „Wir blicken mit Sorge auf die Sondierungs- und Koalitionsgespräche in Berlin.“ Denn von ihnen hänge es ab, mit welchen Flüchtlingszahlen die Stadt in den kommenden Monaten rechnen muss – und wie viele Kinder eingeschult werden müssen. Schon jetzt gibt es in zwei Cottbuser Klassen mit 50 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. Die empfohlene Höchstgrenze liegt bei 30 Prozent.

Klar ist schon jetzt, dass nach den Sommerferien viele Kinder neu an die Grundschulen kommen, die über keinerlei Sprachkenntnisse verfügen. Maren Dieckmann: „Ein Grund dafür sind fehlende Kita-Plätze. Viele kleine Kinder müssen daher ohne Deutschkenntnisse direkt in die Schule aufgenommen werden.“ Dazu kommen zahlreiche Zuwandererkinder, die genau wegen dieser fehlenden Sprachkenntnis im vergangenen Jahr zurückgestellt wurden, jetzt aber aus rechtlichen Gründen zwingend einen Schulplatz bekommen müssen. Maren Dieckmann: „Wir sehen große Probleme auf uns zukommen, doch es darf nicht dazu kommen, dass die Schulen diese neuen Aufgaben alleine bewältigen müssen.

Abhilfe könnten spezielle Kurse oder Vorschulklassen schaffen, in denen Kinder aus Zuwandererfamilien mit der deutschen Sprache vertraut gemacht werden. Lothar Nagel, Schulleiter der Hildebrandt-Grundschule: „Diese Vorschulklassen wären wünschenswert, damit die größten Verständigungsprobleme beseitigt sind, bevor die Kinder in den Schullalltag eintauchen.“ Unklar ist, woher das Personal für diese Klassen kommen soll, in welchem Rahmen sie stattfinden können und wer sie finanziert. Doch egal, wie genau die neuen Maßnahmen aussehen – die Zeit drängt. Lothar Nagel: „Wir müssen in die Pötte kommen, bis zum nächsten Schuljahr sind nur noch sechs Monate Zeit.“

Übervolle Klassen, Gedränge auf dem Pausenhof, Verständigungsprobleme zwischen einheimischen und zugewanderten Schülern – bei allen Beteiligten wächst die Angst vor zunehmenden Spannungen. Maren Dieckmann: „Wie sehen, dass sich die Situation verschärft und wir mit Hochdruck an Lösungen für Sicherheitsfragen arbeiten müssen.“

Schon jetzt gibt es regelmäßige Gespräche mit Schulleitern, Ordnungsamt, Polizei und Ausländerbehörde. An der Erich-Kästner-Grundschule wurde ein erster Sprachmittler eingestellt, der zwischen Lehrern, einheimischen und zugewanderten Kindern vermitteln soll – bisher arbeitet er mit großem Erfolg. Ob auch an anderen Schulen Dolmetscher eingesetzt werden können, ist unklar: Es fehlt an Geld und geeignetem Personal. Geld kosten werden auch die angepeilten Sicherheitsmaßnahmen, die im Ernstfall Schüler und Lehrer in Konfliktsituationen schützen sollen.

Wichtig sind nach Einschätzung des Bildungsdezernentin geeignete Alarmierungssysteme, die im Notfall leicht zugänglich sind. Außerdem müssten alle Schulen mit sogenannten Knauf-Klinke-Systemen ausgestattet werden. Türen zu Klassenzimmern und Hort räumen sind damit von außen nur mit einem Schlüssel zu öffnen. Anja Zimmermann, Leiterin des zuständigen Immobilienamtes: „Wir suchen für alle unsere Schulgebäude nach vernünftigen Lösungen.“ Diese technischen Sicherungsmaßnahmen aber können sehr schnell ins Geld gehen. Anja Zimmermann: „Wenn wir in einer alten Schule auch nur einen Schalter etwa für ein Alarmierungssystem neu einbauen, gelten für das gesamte Gebäude plötzlich neue DIN-Normen. Wir bewegen uns dann schnell im sechsstelligen Bereich – für eine einzige Schule.“