| 17:56 Uhr

Raubserie vor Gericht
Masken-Mann ist geständig

Prozessauftakt am Landgericht in Cottbus
Prozessauftakt am Landgericht in Cottbus FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Im Prozess um einen Überfall im Asia-Imbiss entschuldigt sich der Angeklagte für seine Tat. Von Andrea Hilscher

Es waren filmreife Szenen, die sich im vergangenen Jahr  an einem Oktoberabend im Asia-Imbiss an der Cottbuser Straße der Jugend abspielten. Der Schüler Paul M. (18) wollte sich nach dem Training rasch noch etwas zu essen holen, wartete in dem kleinen Lokal auf seine Bestellung. Plötzlich kamen zwei dunkel gekleidete maskier­te  Männer in den Imbiss, riefen: „Kohle her.“ Einer von ihnen bedrohte das vietnamesische Gastwirt-Paar mit einer silbernen Pistole, der andere fuchtelte mit einer Dose Pfefferspray vor ihren Gesichtern hin und her.

„Dann ging alles sehr schnell“, erinnert sich der Schüler. Einer der Räuber griff sich Bargeld aus der Kasse, der andere hielt Paul M. die Pistole an die Schläfe, forderte sein wertvolles Handy und Geld. „Ich war völlig erstarrt, tat alles, was der Mann von mir wollte.“ Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei: So schnell, wie sie gekommen waren, verschwanden die Masken-Männer wieder in der Dunkelheit.

Seit Montag beschäftigt sich das Cottbuser Landgericht mit dem Überfall, der offenbar nur der Auftakt für eine Serie weiterer Straftaten des maskierten Duos war: In den Folgetagen sollen die beiden versucht haben, drei Jugendliche an der Thiemstraße auszurauben, dann überfielen sie zwei Pizzaboten. Über Zeugenaussagen ermittelte die Polizei einen der beiden Verdächtigen (25), dem nun der Prozess gemacht wird.

Christian W., zur Tatzeit 25, der der Polizei bereits wegen Drogendelikten und Körperverletzung bekannt ist, hatte in den Monaten vor den Überfällen als Monteur gearbeitet, wartete nach eigenen Angaben jedoch auf sein Geld. „Wir hatten nichts zu essen, wollten uns was besorgen und sind durch die Stadt gelaufen“, so seine Aussage vor Gericht.  Zusammen mit seinem Komplizen, den er Ralf H. nennt, habe er irgendwie an Geld kommen wollen. „Ich hatte gekifft und Extasy genommen. Pfefferspray und Maske trage ich immer bei mir, falls mich jemand angreift.“ Dass sein Freund eine Waffe besaß, habe er auch gewusst. „Im Asia-Imbiss war noch Licht, deshalb sind wir da rein.“ Zunächst sagte Christian W., dass er nur das Pfefferspray in der Hand gehabt hatte, dann gab er zu: „Kann sein, dass ich auch die Pistole hatte.“ Ob es eine scharfe, geladene Waffe war, weiß der Angeklagte nicht mehr. Er konnte nur noch erzählen, dass er nach dem Raub mit seinem Komplizen Richtung Bahnhof gelaufen ist, dort wurde die Beute – zwischen 300 und 400 Euro – geteilt.

Auch der Schüler, der als Zeuge befragt wurde, konnte nicht genau sagen, welcher der beiden Täter ihm die Pistole an die Schläfe gehalten hatte. „Sie waren beide sehr ähnlich vom Körperbau her, trugen dunkle Kleidung und Masken.“ Einer von ihnen habe zwar „die Macht gehabt“, aber insgesamt habe der Tatablauf sehr hektisch und unkoordiniert gewirkt.

Sehr eindrücklich schilderte der Schüler die Folgen seiner Erlebnisse: Schlafstörungen, Alpträume, Angstzustände. „In den ersten Wochen habe ich mich alle paar Meter umgeguckt, ob ich verfolgt werde.“ Seine Eltern und ein Lehrer hätten ihm zu einer Therapie geraten. „Aber ich möchte das alleine bewältigen“. Der Angeklagte gab sich reuig.  „Tut mir leid, dass ich Dir das angetan habe, ganz ehrlich“, bat Christian W. sein Opfer um Verzeihung. Er wolle reinen Tisch machen, seine Strafe absitzen und dann von vorn anfangen, sagte er dem Gericht.

Wegen gemeinschaftlich begangener schwerer räuberischer Erpressung in mehreren Fällen erwartet ihn  eine mehrjährige Haftstrafe. Bevor es allerdings zu einem Urteil kommt, wollen die Richter die Inhaber des Asia-Imbisses anhören – beide baten am ersten Verhandlungstag um die Hinzuziehung eines Dolmetschers. Zudem wird ein Gutachter vorgeladen. Er soll unter anderem klären, wie sehr Christian W. zur Tatzeit möglicherweise unter Drogeneinfluss stand.

Ob und wann sein Komplize vor Gericht steht, ist unklar: Richter André Simon sagt am Montag mehrfach, die Identität des Komplizen sei noch ungeklärt. Christian W. dagegen benannte den Komplizen. Die Polizei hatte bereits im Februar bekannt gegeben, einen zweiten Tatverdächtigen (21) aus dem Bekanntenkreis von Christian W. dingfest gemacht zu haben.

Der Prozess wird am 26. April fortgesetzt, ein Urteil wird spätestens im Mai erwartet.

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