René Geisler betreibt in Milkersdorf bei Cottbus einen Swingerclub

Herr Geisler, eines der zehn Gebote lautet: Begehre nicht Deines Nächsten Weib. Ich vermute, damit können Sie wenig anfangen. Doch, grundsätzlich schon. Du sollst es aber nicht begehren gegen den Willen der anderen Frau. Wenn das ‚Weib‘ das auch will, ja, warum denn nicht? Wo ist bei Ihnen die Grenze zwischen Fremdgehen und Swingen? Wenn man es heimlich macht, ist es Fremdgehen. Wenn man es gemeinsam macht, ist es bei uns Bekanntgehen. Wichtig ist für die Paare, die zu uns kommen, dass sie viel über den Besuch hier reden und gemeinsam Grenzen abstecken. 99 Prozent von den Erstbesuchern haben beispielsweise hier gar keinen Sex, sondern gucken nur. Das reicht auch. Es ist für viele Menschen ja das erste Mal in ihrem Leben, dass sie live sehen, dass andere Menschen Sex miteinander haben. Das ist schon etwas anderes als auf dem Fernseher. Und dann entwickelt sich das eben oder auch nicht. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Wie kamen Sie auf die Idee, hier in Milkersdorf einen Swingerclub zu eröffnen? Ursprünglich wollte ich in dieses Gebäude vier Wohnungen reinbauen und vermieten. Es gab dazu aber vom Denkmalschutz dermaßen viele Auflagen, dass sich diese Wohnungen nach dem Umbau nie gerechnet hätten. Dann haben meine Frau und ich überlegt, was wir hier draus machen. Eine Pension oder eine Gaststätte in Milkersdorf hätte nicht funktioniert. Da haben wir gesagt: Warum nicht einen Swingerclub? Nach dieser Idee haben wir uns weltweit solche Clubs angeschaut und eine richtige Marktanalyse erstellt. Was ist das für eine Szene? Dabei haben wir festgestellt, dass die Swingerszene in Deutschland sehr verrufen ist. Hier herrschte das Klischee, zehn alte dicke schwitzende Menschen fallen wie die Kaninchen übereinander her. Das ist oft auch leider so, aber es gibt halt auch Ausnahmen. Diese finden sich in Clubs in Holland, Frankreich oder San Francisco. Hier treffen sich interessante Leute, machen Party und haben eventuell dann auch irgendwann mal Sex miteinander. Waren Sie denn vorher selbst in der Szene aktiv? Nein, das waren wir nicht. Haben Sie bei Ihrer Recherche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern festgestellt? Ja, die Deutschen sind verklemmter als alle anderen, die deutschen Clubs sind schmuddliger. Dem wollten wir etwas entgegensetzen. Wir haben uns an Dingen orientiert, die uns im Ausland gefallen haben. Da wären zum einen eine gehobene Gastronomie, wir haben die besten Barkeeper im ganzen Land Brandenburg, es gibt ein fürstliches Buffet, ein edles Ambiente. Und das alles Entscheidende: Bei uns gibt es Einlass nur in gepflegter Abendgarderobe. Das ist ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Hier kommt keiner in Schlüpfer und Badelatschen rein. Darüber kann mal viel regeln. Wie viele Swingerclubs gibt es denn in Deutschland? Ich schätze so etwa 200. Wer kommt denn so zu Ihnen in den Club? Unsere Gäste sind Architekten, Versicherungsvertreter, Richter, Staatsanwälte, Steuerberater, Finanzbeamte, Lehrer ... Vom Alter reicht das von Anfang 20 bis Mitte 60. Der Schnitt ist aber von Mitte 30 bis Mitte 40. Und die Gäste kommen aus der halben Welt. Im Februar hatten wir eine Party mit Gästen aus 16 Ländern, unter anderen Paare aus den USA und Israel. Und die kommen nur deshalb nach Deutschland. Wir begrüßen hier im Jahr zwischen 3000 und 4000 Paare. Gibt es eigentlich auch eine Altersobergrenze? Nein, gar nicht. Das würden wir als diskriminierend empfinden. Bei uns ist jeder willkommen. Was sagen die Milkersdorfer selbst zu diesem Club? Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Leuten im Dorf. Das fing schon in der Bauphase an. Da haben wir das Dorf mit einbezogen, immer mit offenen Karten gespielt und die Leute haben uns unterstützt. Die erste Party, die wir hier drin gemacht haben, war dann auch für die Milkersdorfer selbst. Gibt es etwas, das in Ihrem Club tabu ist? Bei uns gilt der Grundsatz, hier kann jeder alles machen. Wir sind sehr, sehr tolerant. Es gibt allerdings zwei Grundsätze: Der erste lautet: Nie gegen den Willen eines anderen. Wenn wir sowas merken würden, endet das mit einem Hausverbot. Genauso verfahren wir bei allem, was irgendwie mit Prostitution zu tun hat. Bei Ihnen stehen alle Partys unter einem Motto. Wo holen Sie sich die Ideen dafür her? Die tragenden Events decken immer eine gewisse sexuelle Neigung ab. Ein Beispiel: Wir haben eine Schlossnacht weiblicher Gelüste. Diese Partyreihe haben wir entwickelt, weil wir festgestellt haben, dass unwahrscheinlich viele Frauen mal was mit einer anderen Frau haben wollen. Und was machen die Männer in der Zeit? Die gucken zu und das voller Freude. Wie sieht denn Ihre eigentliche Arbeit in so einer Partynacht aus? Wir machen den Einlass, begrüßen die Gäste, zeigen den Erstbesuchern das Haus. Es ist irgendwie ein Entertainment-Job. Wir räumen auch mal den Geschirrspüler ein und aus. Was bedeutet für Sie das Wort Eifersucht? Ich würde mich als frei von Eifersucht bezeichnen. Eifersucht hat was mit Reden, Ehrlichkeit, Liebe und Selbstbewusstsein zu tun. So eine weiche Eifersucht, wenn es kribbelt, ist völlig in Ordnung. Man muss seinen Partner aber nicht besitzen wollen, muss ihn auch mal loslassen können. Wer eifersüchtig ist, sollte nicht hierher kommen. Welche Auswirkungen hat der erlaubte Partnertausch auf eine Beziehung? Er kann eine Beziehung nicht kitten. Wenn eine Partnerschaft nicht funktioniert, funktioniert sie auch nicht durch den Rettungsanker Swingerclub. Man kann aber eine eingeschlafene Beziehung wieder interessant machen. Wir Menschen sind nicht monogam. Liebe und Lust können völlig unabhängig voneinander sein. Nur einen Sexpartner, bis dass der Tod uns scheidet? Das ist doch alles Quatsch und wider die Natur. Aha, meine Natur verzehrt sich also nach möglichst vielen Frauen? Wenn Sie ehrlich zu sich sind, ja. Man kann das aber nicht verallgemeinern. Es gibt bestimmt Leute, die sagen, ich brauche das nicht. Das ist auch in Ordnung. Sie haben zwei Kinder (16 und 22 Jahre). Wie gehen die mit dem Job ihrer Eltern um? Beide Jungs sind recht selbstbewusst, wir waren auch in Bezug auf den Club immer offen mit ihnen. Die wissen sich schon zu helfen, wenn jemand sie in eine Schublade stecken will. Gibt es diese Schublade? Wie reagieren die Leute, wenn sie erfahren, was Sie hier tun? Die Leute reagieren ablehnend, neugierig, einfach mit Allem. Wir sind keine Zuhälter und Puffbetreiber. Wir stellen eine Location zur Verfügung, die Leute feiern eine Party hier und wer Lust auf mehr hat, kann auch mehr erleben.